20.08.2012 -597-

Der Mann, der sich Peter Petersen nannte, pfiff sich eins. Hatte doch alles prima geklappt. Harte Nuss, dieser Idiotendetektiv, aber letztlich eben doch ein Idiot. Hm, okay, die heiße Schweizer Kommissarin… auf die würde man achten müssen, die schien ein anderes Kaliber zu sein. Er betrat das Geschäft, drei Kunden waren vor ihm. Er hatte Heißhunger auf Würstchen, schon als Kind war das so gewesen. Wenn ihm etwas gelungen war, wenn er irgendjemanden verarscht, seinen Vorteil aus irgendetwas gezogen hatte, bekam er Hunger auf Würstchen. Wiener, Mettwürstchen, Käsewürstchen, Paprikawürstchen. Nur die mit Zwiebeln mochte er nicht. Das war abartig, pervers, eine totale Geschmacksverirrung, ein kultureller Verfall. „Zwei Wiener, bitte“, sagte er artig, als er endlich an der Reihe war. „Und, ach ja, noch zwei Käsewürstchen.“

Von jetzt an ist alles eine Frage der Zeit und des Zufalls, denkt der Mann, der sich Peter Petersen nennt. Er kaute den ersten Wiener. Himmlisch! Die Sonne war noch angenehm, nicht zu heiß, nicht zu kalt, genau richtig. Und die Parkbank idyllisch. Leute flanierten vorbei, Leute mit Hunden, Leute ohne Hunde. Leute mit Hunden zogen ihre Köter von der Parkbank weg, weil dort ein Mann saß und eine Wurst aß. Die Hunde waren stinksauer.
Er musste das Knallefix-Zeug loswerden. Keine Spuren, nirgends, nie. Zweiter Wiener. Oder erst ein Käsewürstchen? Das Leben verlangte die kompliziertesten Entscheidungen von einem. Er griff sich ein Käsewürstchen aus der Tüte, biss hinein. Ein Schäferhund, der einen Schäferhundebesitzer hinter sich her zog, begann zu jaulen und strebte zur Parkbank. Der Mann, der sich Peter Petersen nannte, liebte Tiere im Allgemeinen und Hunde im Besonderen. Dennoch dachte er nicht im Traum daran, ihnen etwas von seinen Würstchen abzugeben.

*

Gritli Moser schaltete ihr Handy aus. „Die gute Nachricht: Es gibt eine Firma Knallefix. Die schlechte: Dort arbeitet kein Peter Petersen.“ Weiblicher Instinkt, kriminalistischer Instinkt? Beides? Jedenfalls hatte die Sache Gritli keine Ruhe gelassen. „Ich check das mal schnell.“ Wir sahen uns an, ratlos. „Und was sollte dann das Ganze? Er hätte mich töten können oder sonst was mit mir anstellen. Statt dessen schenkt er mir eine teure Kamera.“
Gritli machte „hm“. Und sagte nach einer kurzen Pause. „Irgendjemand muss dir ja die Kamera geschenkt haben. Aber wer? Daran erkennt man doch schon, dass irgendetwas faul an der Sache ist.“
Die Kamera lag auf dem Küchentisch. Scheiße, eine Bombe mit Zeitzünder. Oder aus der Entfernung zu aktivieren und bumm. Mir wurde ganz anders. Gritli griff abermals zu ihrem Handy, seelenruhig, wie mir schien. „Torsten? Schick mal die Jungs von der Sprengstofftruppe. Moment, ich geb dir die Adresse.“
Gute Idee. „Wir gehen jetzt ganz zwanglos aus der Wohnung, okay?“ Ich habe Frauen noch nie widersprechen können. Wir gingen ganz zwanglos aus der Wohnung. Die Kamera blieb wo sie war und sie blieb ganz brav. Lag auf dem Tisch und dachte nicht daran zu explodieren. Noch nicht.

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