08.08.2012 -585-

Wozu hatte man denn so viele Freunde in den besten Kreisen. Einfach rumtelefonieren. B-Prominenz, C-Prominenz, Frauen, die von der Größe ihrer Euter lebten, Männer, die von der Länge ihres … Bildungsganges profitierten (was haben Sie Ferkel denn gedacht). Menschen in der Öffentlichkeit, Menschen im Fadenkreuz des Interesses, Menschen, auf die Psychopathen aufmerksam wurden, Menschen, die folglich Schutz brauchten. Eine Bodyguardistin? Ziemlich exotisch. Die meisten bevorzugten Männer mit Muckis und Kleinkalibergewehren. Aber endlich hatte Marxer die Adresse einer Agentur mit 24-Stunden-Sofortservice. Er rief an und erreichte natürlich nur den Anrufbeantworter. Man solle ihn zurückrufen. Was keine fünf Minuten später geschah.

Der Mann am anderen Ende der Leitung hieß Barry und zerkaute professionell ein Kaugummi. Nein, mit einer Bodyguardistin sei nicht zu dienen, man nenne das eine Bodygardine, kleiner Scherz am Rande. Und natürlich, so etwas sei auf Lager, garantiert beste Qualität, „unsere Mitarbeiterinnen kommen aus erstem Stall, alle mit Militärausbildung“. Marxer war beeindruckt. Was so etwas koste? Die Antwort raubte ihm für einen Moment die Luft. Aber es gab kein Zurück. „Okay“, sagte Barry und schluckte das Kaugummi. „Ich schicke Ihnen Chiara vorbei. Kennen Sie Angelina Jolie? Chiara sieht so ähnlich aus, nur besser.“ Das raubte Marxer für mehr als einen Moment die Luft. Er war total beeindruckt.
Olya war stinksauer. Sie hatte mitbekommen, was Marxer plante und hielt es für Verschwendung. Ob sie ihm hätte erzählen sollen, dass sie Majorin in der ukrainischen Volksarmee gewesen war und jede Menge Nahkampfgürtel besaß? Dass sie, damals noch mit 15, einer Taube den Ölzweig aus der Schnabel geschossen hatte – und zwar mit einer altersschwachen Kalaschnikoff? Aber wenn der Kerl unbedingt sein Geld zum Fenster hinauswerfen wollte… Außerdem fand sie, dass er als Frau besser aussah. Den Existentialisten nahm ihm niemand ab. Sie schwieg und fraß die Wut in sich hinein. Heute war ihr freier Abend, sie machte eh schon Überstunden. „Du kannst dann gehen“, sagte Marxer beiläufig und bewunderte sich im Spiegel. Angelina Jolie, nur noch ne Klasse besser. Das war ihm die Ausgabe wert.
Schade, dass Chiaras Dienst erst morgen beginnen würde. Er nahm den kleinen roten Sportwagen, lenkte ihn lässig durch die engen Straßen und parkte direkt vor der „Bauernschenke“. Wurde Zeit, dass Hermine den Namen änderte. Bauernschenke, wie klang denn das. Allerdings musste Marxer zugeben, dass ihm selbst kein besserer Name einfiel. Er musste ein Brainstorming machen, aber er hatte keine Zeit. Seine nächste Talkshow musste vorbereitet werden, „Warum versagen die meisten Frauen beim Anmalen ihrer Lippen?“, Heiner Geißler hatte schon zugesagt, mit Helmut Schmidt, der frisch liiert war, wurde verhandelt.
Marxer stieg aus. Keine Presse nirgends? Er lugte in sämtliche sichtbaren Ecken. Schade. Der Existentialistenfummel stand ihm gut. Munter marschierte er los – und blieb abrupt stehen. Schnell hinter den Porsche. Denn das war sie. Oxana. Atemberaubend, so wie Chiara, nur eine Klasse besser, also zwei Klassen besser als Angelina Jolie. Trug sie überhaupt etwas? Ja, schon, aber man konnte es vor lauter Nacktheit kaum erkennen. Es raubte ihm für Minuten den Atem. Sie ging in die „Bauernschenke“ und Marxer wusste, was ihn dort erwarten würde. Er freute sich darauf. Seine masochistische Ader.

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