03.08.2012 -580-

Es war wieder drückend heiß geworden. Männer in kurzen Hosen, aus denen Stachelbeine in weiße Söckchen in Sandalen wuchsen, bevölkerten die Straßen, größte ästhetische Geißel des Sommers. Junge, Eistüten in den Händen, plapperten sich grüppchenweise durch die Fußgängerzone. Es wurde schwül.

Zurück im Büro, rief ich PUPSens Blog auf, wo bereits eine „Vorabsensationsmeldung“ zu lesen war. „COMING SOON! EXKLUSIV! DER IDIOTENDETEKTIV: JETZT REDE ICH!“ Ich grinste in mich hinein und machte mich beschwingt an die Arbeit. Eine Gisela Pommerenke wollte wissen, ob uns die Europäische Zentralbank glücklich mache, wenn sie Geld scheißt. Ich antwortete: Na klar, aber immer. Geld drucken ist gut für die Wirtschaft, jedenfalls für die Geldpapierindustrie. Scheiß auf die Inflation, die Deutschen sind eh zu reich und Geld verdirbt den Charakter. Ich lachte laut. So laut, dass Annamarie Kainfeld ihren Kopf in mein Zimmer streckte und „Ist was?“ fragte. „Nö“, antwortete ich, „mir hat nur die Hitze das Hirn ausgedörrt.“ „Okay“, meinte meine Sekretärin, „dann ist ja nicht viel passiert.“ Ich grübelte eine Weile über diese Aussage.
So zog sich der Mittag dahin. Endlich, gegen halb vier, hatte PUPS seinen Blogeintrag geschrieben, schön mit Audiodatei und Bildchen. Es war schrecklich. „Der Idiotendetektiv packt aus! Was weiß Konstantin Marxer? Weltverschwörung oder nur dummes Gerede? Intimes aus dem Leben einer scharfen Kasachin“. Oxana schien es ihm angetan haben, was mich nicht überraschte.
Das Telefon klingelte. Gritli Moser, die fleißige Kommissarin, teilte mir mit, in Sachen Eduard Schick seien alle Nachforschungen bisher im Sande verlaufen, der Kerl sei aus dem Nichts aufgetaucht und in ebendiesem wieder verschwunden. „Du bist der einzige, der ihn gesehen hat.“ Das „Du“ registrierte ich wohlgefällig. „Vielleicht war es ein Fieberwachtraum?“ schlug ich vor, doch Gritli Moser winkte ab. „Nein, ich glaube dir. Übrigens – die Sache mit diesem komischen Blog – das hast du geplant, oder? Du spielst den Lockvogel.“
Ich musste es zugeben. Einerseits. Andererseits stellte ich Marxer ins Fadenkreuz Schicks oder von wem auch immer. Der Bursche sollte Blut schwitzen und ich war mir sicher, er war schon munter dabei.
„Sehen wir uns heute Abend in der Bauernschenke?“ Es war mehr ein Befehl als eine Frage und ich beeilte mich, „Ja“ zu sagen. Die erneute Begegnung mit Hermine bremste meine gute Stimmung sofort und beträchtlich, doch ich musste in die Höhle der Löwin.
Es wurde immer schwüler. Annamarie Kainfeld verabschiedete sich vorzeitig, „Überstunden abbauen“, und schwang ihr „Bag“ mit den Badesachen, zwei winzigen Fetzen roten Stoffes. Ich wünschte ihr, sie würde auf der Liegewiese endlich der großen Liebe ihres Lebens begegnen, einem netten jungen Mann mit Sixpack und Rentenansprüchen, ein wenig doof und noch weniger ambitioniert, ein Mann, dessen Gedanken sich um Fußball, Autos und Geschlechtsverkehr drehten, kurzum: einer der üblichen Langeweiler, ohne die Deutschland das wäre, was es sowieso schon ist: ein ziemlich trostloser, aber irgendwie beruhigend verschlafener Platz.

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