02.08.2012 -579-

Die investigativen Ambitionen des journalistischen Bloggers PUPS konzentrierten sich, wie ich sehr rasch merkte, auf „diese scharfen Frauen, Sie wissen schon. Diese Kasachin und überhaupt.“ Er entschuldigte dies mit einem knappen „Das wollen die User halt lesen, ne? Sex und Intrigen, ja, ich würd auch lieber seriöser berichten, aber geht halt nicht. Ich jubele Ihnen die schreckliche Wahrheit aber trotzdem unter, keine Bange.“

Ich hatte keine Bange. Lebhaft und bilderreich schilderte ich ihm wüste Orgien in der Bauernschenke, die PUPSens Mikrophon begierig aufnahm. „Tja, und dann natürlich die Bundeskanzlerin. Eine geSCHICKte Frau, die SCHICKt uns immer Fresspakete, weil die dauernden Orgasmen machen hungrig.“ Könne er sich vorstellen, murmelte der Journalist neidisch, er habe schon davon gehört. „Eben“, bestätigte ich. „Aber wir sind auch kulturell sehr aktiv. Lesen CHICK-Lit, wenn wir nicht gerade CHICKen McNougets spachteln oder GeSCHICKlichkeitsspiele spielen.“
Was es denn mit dem Attentat auf Marxer auf sich habe, wollte PUPS wissen. Ich verdüsterte meine Mimik dekorativ. „Hm, gute Frage. Vielleicht will damit jemand die Publikation des zweiten Bandes vom Idiotendetektiv verhindern. Es geht diesmal um die SCHIKanen, denen wir ausgesetzt waren, also von Regierungsseite und von den Hintermännern und so. Sie verstehen. Ich darf leider nicht deutlicher werden, schließlich bin ich auch im Staatsdienst.“ PUPS verstand.
Es war ein Spiel mit dem Feuer. Ich hatte keine Ahnung, was lief, musste aber andeuten, ich wisse es. Raunte von globalen Intrigen, den Banken, die wieder einmal an allem schuld seien, den korrupten Politikern und den arglosen Bürgern, die alles mit sich machen ließen, erwähnte auch den Eurorettungsschirm und prognostizierte, bald würde uns die Scheiße nur so um die Ohren fliegen. PUPS war beeindruckt und begeistert.
„Damit komme ich groß raus! Die werden mich in der Tagesschau erwähnen, oh mein Gott, ich muss unbedingt noch zum Friseur!“ Die Investition in zwei Tassen Tchibo-Kaffee hatte sich für ihn gelohnt, er plante sogar den Ankauf zweier weiterer Getränke, ließ es jedoch nach Konsultation seines Geldbeutels bleiben. Ich zeigte mich generös, übernahm die zweite Runde und erstand zur Feier des Tages noch zwei Stück Käsekuchen. „Wow, ich hab seit drei Tagen nichts gegessen!“ gestand PUPS. Ich seufzte und schob ihm mein Stück auch noch rüber.
Danach musste ich mich vor den Laptop stellen, damit dessen Webcam ein Foto von mir und PUPS machen konnte. „Glaubt mir doch sonst keiner! Ich, ausgerechtet ICH, hab das Megahammerinterview des Jahres, den publizistischen Knüller! – Hm, wieso eigentlich gerade ich?“
Ich beugte mich diskret zu ihm. „Ganz im Vertrauen, mein Lieber: Ich verfolge Ihre Arbeit schon seit geraumer Zeit. Wenn einer in Deutschland die Pressefreiheit hochhält, dann Sie.“ „Darf ich das zitieren?“ fragte PUPS ungläubig. „Selbstverständlich. Aber vergessen Sie bitte nicht zu erwähnen, dass Marxers neuer Krimi im besten CHICago-Style geschrieben sein wird. Hart, aber talentlos. Der Bursche wird so manch eine Bombe platzen lassen, glauben Sie mir.“
Er glaubte es tatsächlich. Wir traten wieder auf die Straße, PUPS schüttelte euphorisch meine Hand. Ich hatte eine gescheiterte Existenz glücklich gemacht, nie wieder würde er drei Tage ohne Nahrung darben und sich seinen Kaffee aus dem Tchibo besorgen müssen. Ich war ein wirklicher Menschenfreund.

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