05.07.2012 –551-

„Und?“
„Nichts Neues.“
„Hm.“
„Ja. Koma.“
„Fast ein halbes Jahr schon. Komischer Kerl.“
„Wieso?“
„Na, weil er gleichzeitig wach ist und nicht wach.“
„Dieser Moritz Klein? Versteh ich jetzt nicht, Herr Kollege.“

„Na, gehen Sie mal zu ihm. Setzen Sie sich an sein Bett und erzählen Sie ihm etwas von der Finanzkrise. Schauen Sie ihn an und Sie werden sehen, wie seine Augen flackern und sich eine Art hämisches Lächeln in sein Gesicht schnitzt. Der Kerl simuliert. Andererseits steckt er tatsächlich in einer Art Schockstarre. Er will da auch nicht raus.“
„In der Tat, seltsam. Was ist eigentlich passiert?“
„Sie haben nichts darüber gelesen? Stand doch im Winter in allen Zeitungen. Ein offenbar geistig verwirrter Mann hat mit einem Maschinengewehr eine Kneipe gestürmt und wollte alle Anwesenden erschießen. Bevor er jedoch sein Vorhaben wahrmachen konnte, wurde er von einem kleinen Franzosen niedergeschlagen, der zufällig von der Toilette kam. Er sah merkwürdigerweise aus wie Nicolas Sarkozy.“
„Wer ist das?“
„Der Typ mit der geilen Frau. Dem sie jetzt die Wohnung durchsucht haben. War mal der Sideman der Bundeskanzlerin.“
„Aha. Und der Killer sah aus wie der?“
„Nein, der Typ, er ihn niedergeschlagen hat. Mit einer leeren Eierlikörflasche, die zufällig auf einem Tisch stand.“
„Und wieso liegt dann dieser Klein im Koma?“
„Ja, dumme Geschichte. Klein ist aufgesprungen und wollte zu dem Killer hin. Dabei ist er über ein Paar High Heels gestolpert, die mitten in der Landschaft standen. Voll mit dem Hinterkopf gegen die Tischkante geknallt. Pikant: Die Heels gehörten dem bekannten Kriminalschriftsteller Konstantin Marxer.“
„DEM Marxer? Der jetzt diese Talkshow moderiert? ‚Von Frau zu Frau – Männer talken über Frauen.‘?
„Genau der. Er behauptet, seine Füße hätten die Dinger nicht mehr ertragen. Sein Make Up war dilettantisch.“
„Interessant. Moment, ich gehe mal rüber zu Klein.“
„Nein, warten Sie. Er hat Besuch. Seine Lebensgefährtinnen.“
„-INNEN?“
„Ja. So hässlich dieser Klein auch sein mag, Frauen fliegen auf ihn. Ständig sitzen mindestens zwei an seinem Bett und lesen ihm aus der Zeitung vor oder rauchen Zigaretten für ihn.“
„Sie rauchen… wird ja immer verrückter. Scheint ja einen Schlag bei alten Mädchen zu haben.“
„ALTE Mädchen? Gucken Sie mal unverbindlich ins Zimmer. Von wegen alte Mädchen… So was finden Sie heute nicht mal mehr im Nachtprogramm von RTL.“
„Sie machen mich neugierig. Wann ist Visite?“
„Um 10.“
„Okay. Ich bin dabei.“
„Gut. Ich trink noch einen Kaffee vorher.“

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4 Antworten zu 05.07.2012 –551-

  1. Jürgen Priester schreibt:

    Ach, wie schön. Geht´s jetzt weiter? Wird wohl ein Epilog werden? Oder sehe ich das falsch?

  2. Jürgen Priester schreibt:

    Nur zu!;-)

  3. Ingrida schreibt:

    Zunächst nehme ich mal an, dass Prolog keine Programmiersprache ist. Und dann – meine erste Vermutung: Wir sind ja unter uns, zu dritt. Kloppen wir ne Runde Skat. Klare Ansage, deutliche Worte – ohne Geld. Ja, und ernsthaft: Klasse, dass es weitergeht. Aktuelles Zeitgeschehen gepaart mit krimineller Energie. Wir werden nichts Schredden???

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