01.06.2012 –541–

Oh mein Gott, was war DAS denn!? Er hatte gut geschlafen und geträumt. Einen Paradiestraum, mit nackten Evas, die ihn an einen Apfelbaum gefesselt hatten, und die Stricke waren Schlangen gewesen. Dann hatten sie ihn gezwungen, in Äpfel zu beißen, die Adam erntete. Und Gott? Der thronte über allem und nickte wohlgefällig. – Rüchel erwachte schweißgebadet. Er träumte so gut wie nie und wenn doch, dann immer nur von der Arbeit. All die Geister der Getöteten… und die Geister derjenigen, die er noch töten würde. Schmeichel. Das würde der nächste Kandidat für Albträume sein.

Die Wunde am Bauch schmerzte ein wenig, es war aber zum Aushalten. Gute Arbeit, Schmeichel, dafür hast du auch ein Anrecht darauf, dass ich gute Arbeit leiste, wenn ich dich ins Paradies rüberschicke. Er quälte sich aus dem Bett, wankte ins Bad. Hoffentlich würde sich nichts entzünden. Verband sah gut aus. Sein Körper war voll funktionsfähig, sein Kopf hingegen der düsteren Gedanken übervoll. Die Alte. Moritz Klein. Überhaupt: alle. Rüchel tendierte zum Massenmord, zum medienwirksamen Massaker. Lasst uns zehn, hundert, tausend Syrien errichten! Der UN-Sicherheitsrat wird schon nicht intervenieren, die Russen und die Chinesen sind auf meiner Seite. Massenmord. Was für ein wunderbares Wort! Alles einfach auslöschen! – Mit diesen erhebenden Gedanken kleidete er sich an und begab sich in den Frühstücksraum.

*

Ah, wunderbar! Schmeichel hatte bestens geschlafen und noch besser geträumt. Er war der liebe Gott und betrachtete sich wohlgefällig das Paradies, das er geschaffen hatte. Nackte Evas spielten im Gras, sie hatten Rüchel an einen Baum gebunden und veranstalteten ein Apfel-Zielwerfen auf den Gefesselten. Die Fesseln züngelten, es waren Schlangen. Adam stand gelangweilt daneben und applaudierte bei jedem Wurf, der in Rüchels Fresse landete. Schmeichel grinste, als er sich aus dem Bett schwang. Schöner Tag heute, spannender Tag heute. Rüchel würde versuchen ihn umzubringen, musste er auch, hätte Schmeichel an seiner Stelle auch getan. Komm nur, du Flasche. Jetzt schnell ins Bad und dann runter in den Frühstücksraum, sich am Anblick dieses Losers weiden.

*

Aha, da hockte er schon. Schmeichel. Fraß vergnügt, grinste. Jetzt nur nichts anmerken lassen, so tun, als sei alles in Ordnung. Er nahm sich Rührei, eine ganze Portion davon, einen Berg Rührei. Setzte sich zwei Tische von Schmeichel entfernt, begann zu schaufeln, das Ei klebte ihm an den Lippen, an den Wangen. Alles ganz normal, mach jetzt keinen Fehler. Rüberschauen zu dem Kerl. Noch lebte er, aber Rüchel sah bereits den Tod über dem Konkurrenten schweben, der große Typ mit der Sense, er freute sich auf Arbeit. Der Tod zwinkerte Rüchel zu. Hey, den schaffst du mit links. Nimm noch ein paar andere mit, damit sich die Sache für mich lohnt. Rüchel zwinkerte zurück. Geht klar, Alter, kannst dich drauf verlassen.

*

Die Sau fraß Rührei. Rührei! Schmeichel schüttelte sich vor Ekel. Nein, keine Sentimentalitäten jetzt. Er würde ihn heute umnieten, der Kerl ging ihm schlicht und ergreifend auf sämtliche Kekse. Eine Schande für den Berufsstand, ließ sich von alten Frauen anstechen. Einfach kurz und schmerzhaft aus dem Weltgetriebe entfernen. Das musste sein, das verlangte die Ästhetik des Berufsmördertums.

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