23.05.2012 –532–

Ja, er stöhnte vor Schmerz. Das musste das Ende sein, ganz klar, und eigentlich war es ein schönes, ein würdiges Ende. Tod im Dienst. Besonderes Schmankerl: Mit der eigenen Mordwaffe abgestochen werden. Die diese Alte überraschenderweise aus ihrer Handtasche zieht, das Blut des Killers mit dem Regenschirm klebt noch daran, er ist völlig perplex, er starrt nur auf das Skalpell, SEIN Skalpell, er wird für einen Moment nervös, unentschlossen, es ist der entscheidende Moment, schon sieht er dieses Blitzen im Auge der Alten, das überrascht ihn noch viel mehr, eine entschlossene ältere Frau, die einen Schritt auf ihn zu macht, nein zuwankt – und zusticht.

Der Killer stirbt. Das wäre doch mal ein hübscher Titel für einen Krimi. Warum ist noch keiner von diesen Schreiberlingen auf die Idee gekommen? Der Killer stirbt, er hält sich den Bauch, das Blut rinnt ihm durch die Finger wie den Politikern das Steuergeld. Rüchel taumelt durch die Straßen, die Gassen, gottlob kommt ihm niemand entgegen, er lebt noch, er muss zurück ins Hotel, er hat ein Erste-Hilfe-Set, das gehört zur Grundausstattung eines jeden professionellen Mörders. Keine Ahnung, ob er es schaffen wird. Er hat obendrein die Orientierung verloren.

*

Sie steht noch immer da mit dem Skalpell in der Hand. Sie spielt gerade in einem schlechten Film mit, oder? Muss so sein. Und jetzt schon wieder Schritte auf der Treppe. Kommt der Killer zurück? Noch einmal zieht sie die Nummer nicht durch, sie weiß nicht einmal, wie es ihr beim ersten Mal gelungen ist. Der Mann mit den Mörderaugen, sie packt den Stahl, sie sticht zu, der Mann schaut ungläubig und überrascht, hält seine Hand an die Wunde, das Hemd färbt sich sofort rot. Sie glaubt nicht, dass es ein lebensgefährlicher Stich gewesen ist, die Kraft dazu besitzt sie gar nicht mehr. Aber hat seinen Zweck erfüllt. Der Killer stöhnt auf, wirft ihr noch einmal einen Blick zu, dreht sich um und läuft davon, die Treppe runter. Die Treppe, auf der jetzt die Schritte langsam nach oben kommen.

*

Jemand packt ihn an der Schulter, er taumelt. Das ist das Ende. Er versucht, mit der Freien Hand an das Jagdmesser zu kommen, doch es ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Ihm schwinden die Sinne. Dieser Jemand hält seinen Arm fest, stützt ihn, damit der Körper nicht fällt. Sehr freundlich, eigentlich. Dann sagt die Stimme dieses Jemand: „Oh, ein kleiner Arbeitsunfall? Kann passieren. Aber eine alte Frau? Peinlich, denken Sie nicht auch?“
Er wäre am liebsten tot. Jetzt gleich, auf der Stelle. Diese Stimme. So schlecht kann es gar nicht um ihn stehen, dass er diese Stimme nicht erkennt. Schmeichel. „Kommen Sie, wir haben das Hotel gleich erreicht. Ich habe ein Erste-Hilfe-Set auf meinem Zimmer, so schlimm wird es schon nicht sein.“
Das darf niemals publik werden. Wenn er das hier überlebt… welche Schmach! Wenn Schmeichel nicht sowieso sterben müsste, jetzt müsste er es auf jeden Fall. Ja doch, sehr freundlich. Aber ein Bursche wie der hat seine Hintergedanken. Er wird Rüchels gescheiterten Mordversuch bei mordsjungs.de publik machen und vernichtend rezensieren. Ein mustergültiger Verriss. Superkiller lässt sich von alter besoffener Rentnerin abstechen und von einem Konkurrenten notdürftig versorgen. Das kann er nicht zulassen. Er wird Schmeichel töten müssen und Schmeichel weiß, dass er ihn wird töten müssen. Na, das kann ja heiter werden.
Sie erreichen das Hotel, sie schaffen es unbemerkt in Schmeichels Zimmer. Oh ja, so heiter.

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