11.05.2012 –520–

Endlich tat sich etwas. Klein, dieser Borussenzwerg, die Alte und Kleins Sekretärin erschienen vor Marxers Villa, klingelten und wurden von der Russin eingelassen. Schade, dass er nicht hören konnte, was sie zu besprechen hatten. Aber er ahnte etwas. Hatten dieser Borussenzwerg und die Alte nicht den Killer mit dem Regenschirm beschattet? Hatte nicht Rüchel vorgehabt, eben diesen Killer auszuschalten? War es ihm gelungen? Musste wohl. Sonst wären die hier nicht aufgetaucht. Und die Alte hatte gezittert, zwischen dem Zwerg und Klein eingehängt, die konnte kaum laufen. Respekt, dachte Schmeichel, Rüchel machte wenigstens Nägel mit Köpfen.

Und was machte er? Stand hier rum. Wusste noch immer nicht, wie er Marxer, Krießling-Schönefärb und wohl auch Moritz beseitigen sollte. Dreifachmord. Möglichst effizient, schließlich war er deutscher Wertarbeiter und kein griechischer Hallodri. Was Killer anbetraf, hatte es Deutschland noch nicht zum Exportweltmeister geschafft, da dominierten komischerweise die Italiener, Russen und Chinesen, also die Schwellenländer. Auch eine Folge der Globalisierung.
Nun, es brachte jetzt nichts, darüber zu grübeln. Ihm musste etwas einfallen, gewiss. Rüchel hatte vorgelegt, es stand Eins zu Null für ihn, aber das Spiel dauert bekanntlich neunzig Minuten und die Kugel ist rund und nach dem Mord ist vor dem Mord. Was, wenn er Rüchel umlegen würde? Das wäre so etwas wie das Champions-League-Endspiel der Killer, aber, wie der Name schon sagte, das musste man sich für das Ende aufheben. Schmeichel nickte und entfernte sich von der Villa. Hier gab es für ihn vorerst nichts zu tun. Er musste seine innere Balance wiederfinden.

*

Allmählich fand Irmi ihre innere Balance wieder. So alt muss man werden, um seine Contenance zu verlieren, dachte sie. Alles sehr strange. Ein Killer, der einem die Mordwaffe in die Hand drückt, ein bekannter Krimiautor in Frauenkleidern, der sich mehr dafür interessiert, wie man die Beinbehaarung los wird. Rasieren oder mit warmem Wachs abziehen? Doch, sehr strange das alles.
„Trink erst mal nen Kaffee“, schlug Oxana vor. „Und du hast den Typen nicht erkannt? Wie sah der aus?“ Nein, hatte sie nicht. Ging alles viel zu schnell, war zu überraschend. „Jedenfalls“, stellte Marxer fest und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, „haben wir diesen Regenschirmmörder von der Backe.“ „Und einen neuen Killer an der Backe“, schlussfolgerte Klein äh messerscharf.
So weit hatten sie noch gar nicht gedacht. „Und hinter wem ist der her? Immerhin hat er einen unserer Feinde beseitigt, also könnte er doch so etwas wie ein Freund von uns sein?“ Das klang nicht sehr überzeugend, was Marxer da zu bedenken gab. „Na ja“, erwiderte Klein, „zwischen Freunden und Feinden kann man manchmal nur schwer unterscheiden. Frag mal die Bundeskanzlerin, ob sie mit ihrem Vizekanzler befreundet ist. Oder mit dem Typen, der sie immer abknutscht, diesem kleinen Franzosen.“
Den könne man inzwischen ad acta legen, bemerkte Borsig, der sich erstaunlich gut im politischen Tagesgeschehen auszukennen schien. Brachte sie aber auch nicht viel weiter. „Und jetzt?“ fragte Oxana und schenkte Irmi Kaffee nach. Den Eierlikör hatte sie schon in Griffweite gestellt. „Abwarten“, sagte Marxer. „Und das mit dem Wachs tut wirklich nicht weh? Ist das nicht heiß?“ Kompletter Themenwechsel.

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