03.05.2012 –512–

Auch bei „Walter’s Würstel’s“, wo sich meine Sekretär und ich standesgemäß an Currywürsten und Pommes delektierten, hatte man große Probleme mit dem Wechselgeld. Walter, ein cleverer Geschäftsmann, war inzwischen dazu übergegangen, Bratwurst-Abos gegen Vorkasse zu verkaufen, zwanzig Würste für einen Fünfziger. „Da steckt doch der Chinese dahinter“, mutmaßte Walter und erntete breite Zustimmung bei seiner Kundschaft. „Die kaufen unser Kleingeld auf, um uns allmählich in die Knie zu zwingen! Spätestens in zwei Jahren kommt so ein Schlitzauge und übernimmt meinen Imbiss, dann ist das christliche Abendland endgültig hinüber!“

Wir nickten nur. Als Besitzer des raren Münzgeldes hatte ich bei Walter einen Spezialrabatt ausgehandelt, zehn Prozent. Allerdings machten seine Currywürste den Eindruck, als seien sie selbst um zwanzig Prozent ermäßigt. Worden. Würstelwalter leugnete das selbstverständlich und schob die Schuld den Chinesen zu.
In Sachen Griechen und Karneval war ich nicht weitergekommen und dementsprechend gedrückter Stimmung. Auch Annamarie Kainfeld sah nicht glücklich aus. Sie grübelte über die Zukunft ihrer Mutter, seufzte gelegentlich, sagte aber nichts weiter. Mein Handy klingelte, ich war dankbar für die Abwechslung.
„Bin am Killer dran“, meldete sich Irmi. Der Bursche befinde sich gerade in der Hosenabteilung des Kaufhauses, „der hätte was Neues auch mal dringend nötig, so wie er rumläuft.“ Ein paar Krankenwagen fuhren gerade an uns vorbei und machten ihren obligatorischen Sirenenlärm. „Was?“ fragte ich, doch Irmi hatte das Gespräch schon beendet. Wir beschlossen, unsere Mittagspause zu beenden.

*

Mit der Alten hatte Rüchel nicht gerechnet. Sie war die Ablösung für den Kleinen, kein Zweifel. Mist, dachte Rüchel, ich verarsche nicht gerne ältere Damen. Aber es musste sein. Sein Plan stand fest, er brauchte nur das Quäntchen Glück, das man immer braucht, wenn man eine geniale Idee hat.
Der Killer mit dem Regenschirm streifte durch die Porzellanabteilung. Die Alte hinterher, Rüchel hinter der Alten. Er sah sich vorsichtig um. Schmeichel? Nichts von ihm zu sehen. Den hatte er abgehängt. Geh in die Klamottenabteilung, betete Rüchel, schau mal wie du rumläufst, was für Hosen du anhast! Schlabbrige Jeans! Schäm dich! Nimm den Aufzug! Der Killer mit dem Regenschirm betrachtete sich ein Kaffeeservice, 128teilig, kitschiges Blümchenmuster.

*

Im Büro widmeten uns wir still unserer Arbeit. Keine Nachrichten von Irmi, Borsig, den Mädels in Großmuschelbach. Nur, warum fuhren ständig plärrende Krankenwagen durch die Stadt? Irgendwo musste ein schlimmer Unfall passiert sein oder die Jungs in den Krankenwagen fuhren zum Mittagessen nach Hause und waren schon etwas spät dran. Die Geräuschkulisse nervte mich jedenfalls.

*

Diese Sirenen. Mochte Rüchel gar nicht, obwohl er wusste, dass es Krankenwagen waren. Klang trotzdem wie Polizei. Ob er die Sache abbrechen sollte? Ja…. nein. Der Killer ging tatsächlich auf die Rolltreppe zu…

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