09.04.2012 –488–

Jetzt stand der Typ vor den Messern und schien jedes einzelne interessiert zu betrachten. Ich hatte ihn sofort wiedererkannt, einer aus dem Duo, das seit Tagen in der „Bauernschenke“ herumlungerte. Unangenehmer Mensch, das sah man auf den ersten Blick. Da ich nicht auffallen wollte, hielt ich mich zehn Meter hinter ihm und tat so, als wäre ich auf der Suche nach einer neuen Kaffeekanne.

Nach Großmuschelbach sah er nicht aus, ein Minimum an Intelligenz strahlte von ihm ab. Na ja, vielleicht war er zugezogen, obwohl ich mir keinen Menschen vorstellen konnte, der freiwillig nach Großmuschelbach zog. Jetzt nahm er ein Messer in die Hand, wog es bedächtig und hängte es wieder zurück. Vielleicht wollte er auch nur die Frau anflirten, die neben ihm stand und ebenfalls größtes Interesse an den Messern zeigte? Auch das war nicht vorstellbar. Ein unscheinbares Hausmütterchen.

*

Messer? Schmeichel wollte die Sache mit einem Messer durchziehen? Das fand Rüchel jetzt aber enttäuschend. Messer ging gar nicht, Messer war für anständige Profikiller ein absolutes No-Go. Konnte aber sein, dass er es wirklich nur für private Zwecke brauchte. Oder ein Ablenkungsmanöver? So dumm war Schmeichel nicht, einfach in ein Kaufhaus zu gehen, sich ein Messer zu kaufen, seinen Auftrag damit auszuführen. Man würde sich an ihn erinnern, jedenfalls bestand diese Gefahr. Und was guckte der Kerl da vorne? Oha. Moritz Klein war hier? Zufall oder… Die Sache wurde immer interessanter. Jetzt musste Rüchel schon drei Typen im Auge behalten.

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Ich kam mir ziemlich blöd vor. Vielleicht sah ich einfach Gespenster, vielleicht hatten der Kerl und sein Freund einfach nur das gemütliche Ambiente der „Bauernschenke“ für sich entdeckt und waren im wirklichen Leben kaufmännische Angestellte oder schwule Banker. Jetzt schien der Typ seine Inspizierung der Messer beendet zu haben und schlenderte langsam und zwanglos zur Uhrenabteilung nebenan.

*

Elfriede Mörl war enttäuscht. Nicht dass sie damit gerechnet hatte, der Mann würde sie ansprechen. Aber fragen. Er sah doch so unschlüssig aus bei den Messern. Da kann man doch eine erfahrene Hausfrau um Rat fragen. Sie selbst hatte sich für ein besonders langes und spitzes Messer entschieden, stellte sich vor, wie sich die Klinge durch das Fettgewebe ihres Mannes bohren würde, wie durch Butter in der Sonne oder so was. Sie würde es später kaufen, nicht jetzt. Irgendetwas an diesem Mann war komisch. Er ging rüber zu den Uhren, betrachtete sie mit dem gleichen Interesse wie die Messer. Sie folgte ihm langsam. Warum auch nicht? Sie würde sich daran gewöhnen müssen, dass ihr Leben anders, aufregender verlaufen würde.

*

Uhren? Wozu brauchte der eine Uhr? Rüchel stutzte. Natürlich! Bombe mit Zeitzünder! Er wird einen Wecker brauchen. Mit einer Bombe hatte Rüchel noch nie gearbeitet. Nun, vielleicht konnte er von diesem Schmeichel noch etwas lernen, bevor er ihn in die ewigen Jagdgründe beförderte.

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