26.03.2012 –475-

Eins, zweit, drei – und abschütteln. So etwas wie Lust rumort in dem Mann, nein, nicht DESWEGEN… Wegen dem da drinnen in der Gaststube. Merkwürdige Atmosphäre. Die Leute flüstern sich Dinge zu, die er leider nicht versteht, sie kichern, manchmal lachen sie laut, dann wieder sind sie sehr gespannt, beinahe erschrocken, schütteln ungläubig ihre Köpfe. Da geht etwas vor, er weiß nur nicht genau was. Na ja. Erst einmal sorgfältig die Hände waschen. Hat er sich den Hosenstall zugeknöpft? Hat er. Reißverschlüsse mag er nicht. Und Hosen mit Knöpfen, die muss man suchen, die gibt es nicht mehr oft. Das ist Kulturverfall, bedauert er.

Noch merkwürdiger als das Gehabe der Stammgäste: die beiden Männer am Nebentisch. Sie sitzen vor ihren Bieren, schweigend, aufmerksam, lauernd. Es ist ihm kalt über den Rücken gelaufen. Er kennt die beiden Männer nicht, er riecht nur, dass es Kollegen von ihm sein könnten. Sie riechen, wie er selbst, nach Tod. Er muss jetzt so tun, als sei er so etwas wie ein Stammgast, was auch ungefähr stimmt. Seit Tagen lungert er hier rum, beobachtet Moritz Klein und die Seinen, wartet selbst, lauert selbst. Vielleicht sollte er sich diese Burschen einmal vorknöpfen, ihnen unauffällig folgen. Könnte interessant werden, könnte ihn weiterbringen.

*

Rüchel weiß, was Schmeichel gerade denkt, das gleiche wie er nämlich. Dieser Typ, der da gerade von der Toilette kommt, ist nicht sauber. Er riecht. Spielt hier den Stammgast, spricht ein paar Worte mit der, zugegeben nicht uncharmanten, Bedienung, lacht dabei, aber sehr gekünstelt, sehr gequält. Jetzt setzt er sich wieder an seinen Platz, trinkt von seinem Bier, tut so, als bemerke er die beiden Männer nicht. Schlecht, mein Lieber. Du bist ein Anfänger. Im Auge behalten werden wir dich dennoch.
Schmeichel räusperte sich, beugte sich wie beiläufig zu Rüchel, flüsterte ihm zu: „Sehen Sie, was ich sehe?“ „Sie meinen den Typen?“ Rüchel versucht ein Lächeln. „Ach der. Ja, ein Dilettant. Berufsanfänger, schätze ich mal. Machen wir uns um den keine Sorgen, den erledigen wir nebenbei. Nein, ich meine: DIE PERSON dort am Tisch mit diesem Moritz Klein und den anderen.“
Rüchel schaut unauffällig hinüber. Er scannt die Gesichter, vergleicht sie mit seinem Erinnerungsalbum. Mein Gott, Schmeichel hat Recht! Er ärgert sich. Hätte mir gleich auffallen sollen. DIE PERSON! Er beugt sich seinerseits zu Schmeichel, flüstert: „Ja, sicher, hab ich schon gleich beim Reinkommen bemerkt. Der Fall wird immer interessanter. Diese PERSON ist nicht dilettantisch, sie ist beinahe eine Legende.“
Schmeichel nickt. Der Gedanke, dass sich in diesem Raum vier Killer befinden, erregt ihn. Drei davon werden die nächsten Tage nicht überleben, er weiß auch schon, welche drei das sein werden.

*

Hier roch es irgendwie komisch. Hatte Mohamad in der Küche etwas anbrennen lassen? Nein, es roch hier anders, morbider. Vielleicht lag es aber auch an der Stimmung, dass ich mir einbildete, es rieche hier komisch. Was uns Kriesling-Schönefärb und Marxer in Häppchen servierten, war schon eine irre Geschichte. Wir glaubten sie dennoch. Hm, ja, es riecht hier wirklich komisch. Umgucken. Der eine Typ dort hinten, die beiden anderen Typen am Nebentisch. Ob die sich mal duschen sollten?

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