25.02.2012 –445-

Keinen Zickenkrieg, bitte! Den hatten sich doch jüngst die Bundeskanzlerin und ihr FDP-Darling geliefert, bis zum Anschreien, wie es aus wohlunterrichteten Kreisen hieß. Hermine und Annamarie Kainfeld schrien gerade nicht, aber das war nur das atemtechnische Aufrüsten vor dem nächsten Verbalmassaker. Beide rotgesichtig, augenrollig, ich hob beschwichtigend die Hände, sagte mit meiner pastoralsten Bundespräsident-Gauck-Stimme: „Immer mit der Ruhe, meine Damen!“

Wie nicht anders zu erwarten, war es in diesem Moment mit der Ruhe vorbei. Ein Lamentohagel in Dolby Stereo, beide Kanäle kickten sich die Injurien in die Angesichter. „Diese – DAME da…“, begann Annamarie Kainfeld, „nenn mich nicht Dame, du Schlampe!“ rotzte Hermine zurück. „Ich bin der Lebensgefährte deines Dienstherrn…“, „pfff“ unterbrach meine Sekretärin, „jeder Puff ist dann voller ‚Lebensgefährtinnen‘.“ „Unter der Schädeldecke kein Hirn, unter dem Rock kein Höschen, was ist das? Ne Tippse!“

„Na, na!“ warf ich ein, was insofern den Konflikt entschärfte, als sofort beide Damen mich drohend ins Visier nahmen. „DU“, begann Hermine drohend, „bist jetzt mal GANZ ruhig! Ihr Männer seid ja von Natur aus schlampenfixiert, dafür könnt ihr nix. Also Maulhalten!“ „Genau!“ stimmte ihr Annamarie Kainfeld zu, „ich lass mich hier nicht von jeder Schlampe überrollen, wer zum Chef will, muss an MIR vorbei und ohne Termin geht schon mal gar nix, da hat sich keiner einzumischen, SIE auch nicht!“

„Ich wollte doch nur…“ Weiter kam ich nicht. „WAS wollten Sie?“ zischte die Kainfeld, „ich weiß genau, was Chefs wollen, im tiefsten Innern ihrer schwarzen Seele wollen, aber wenn Sie auch nur ansatzweise…“ „Richtig!“ lobte Hermine, „beim ALDI hatten wir auch mal so nen Schwanzgesteuerten von Abteilungsleiter, bei dem brach regelmäßig der Schimpanse durch, wenn er einer Frau auf den Arsch stierte.“ „Ja!“ schrie Annamarie begeistert, „damit fängts doch an! Sie starren einem auf den Arsch, da kannst machen was du willst, da kannst in Sack und Asche gehen, Sie starren dir immer aufn Arsch, auch wenn sie ihn gar nicht sehen können, aber in ihrer dreckigen Phantasie gibt es einen Standard-Ideal-Arsch, den stellen sie sich dann vor…“

Ich bemühte mich zehn Minuten lang, das nun sich gegenseitig befeuernde Gespräch der beiden Damen über die Abgründe der männlichen Urinstinkte zu ignorieren. Las den nächsten Brief in Sachen Glück, ein Schreiben von Frau Kümmerling aus Wiesbaden, in dem sie sich darüber beklagte, in deutschen Fernsehkrimis seien Menschen nicht mehr „glücklich“, sondern dialogmäßig „happy“, auch gefalle ihr der Ausdruck „Happyend“ nicht, warum nicht deutsch, warum nicht „Glücklichend“? Mir fiel beim Lesen beinahe der Gesichtserker in den Coffeecup, aber immer noch besser, als die Lauscher in das Stakkato der Männerbeschimpfung zu halten, das Hermine und meine Sekretärin mit Praxisbeispielen am Laufen hielten.

Endlich hatten sie ihre Munition verschossen, ihre Blicke waren bedrohlich auf mich fixiert. „Ich heiße übrigens Annamarie“, sagte die Kainfeld, „ich bin die Hermine“, sagte Hermine. „Ich glaub, ich koch uns erst mal einen Kaffee“, schlug Annamarie vor, „übrigens Kaffeekochen – hast du eigentlich gewusst, dass die meisten sexuellen Übergriffe von Vorgesetzten auf ihre weiblichen Mitarbeiter in Kaffeeküchen passieren?“ „Nicht wahr!“ entrüstete sich Hermine! „DOCH!“ bekräftigte Annamarie. „Ist doch auch logisch! Enge Küche, der Arsch zum Greifen nahe, man kann sich immer mit ‚Sorry, ich dachte, das wäre der Griff vom Kühlschrank‘ rausreden, wenn man einer Frau mal wieder von hinten an die…“ „Diese Schweine!“ kommentierte Hermine – und schickte MIR ihren bösestmöglichen Kastrationsblick.

Die Damen zogen ab, ich blieb zerschmettert zurück. Also der Frau Kümmerling aus Wiesbaden antworten. Anrede: „Dear Frau Kümmerling, das ist der springende Point!“

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