15.02.2012 –435-

Ein Bündel Mensch, ein nacktes gekrümmtes Etwas, ein geschändeter Körper. Karl-Heinz heulte Rotz und Wasser. Er lag auf diesem Podest, allein wie in einem fremden, leblosen Universum, die furchtbaren Furien hatten sich an ihm vergangen, ihn mit Worten begrabscht und missbraucht, bis es wie ein Wasserfall aus ihm heraus eschossen war – nein, nicht DAS, Ihr Leserferkel, sondern die Wahrheit.

 

„Tja“, erzählte Irmi später in der „Bauernschenke“, „viel war das nicht, also von wegen Wasserfall, wie der Dichter so vor sich hin fantert, eher Rinnsal. Jemand hat ihn in eine Falle gelockt, ein süßes Teenie als Lockvogel, paar heiße Videos, eindeutige Fotos. Seitdem transportiert Karl-Heinzchen Nachrichten hin und her. Wer hinter der Sache steckt, weiß er natürlich nicht. Ich glaub ihm das.“ „Und was weiß er von Günther Rath?“ fragte ich. Irmi kippte einen doppelten Eierlikör extra dry. „Hm ja, das ist interessant.“

 

Pah, Günther! Karl-Heinz fröstelte. Er verbarg die Maschinerie seiner Triebhaftigkeit in der Hohlhand und, verdammt, das ganze Zeug passte spielend hinein. „Der Günther war ein Arsch, das muss mal gesagt werden, der war das personifizierte BKA. Warum brauchen die Spionagesoftware, wenn sie jemanden wie den Günther haben. Hatten.“ Keine Ahnung, wie der draufgekommen war. War er aber. „Ich hab gehört, du trägst so Zettelchen rum?“ Hatte er ihn gefragt. Meine Fresse, wo hatte der das gehört? „Als ich letztens beim Griechen essen war, kann man sich ja jetzt leisten, die werden ja gerade erfolgreich pauperisiert.“ Pauperi-was? Egal. Der Günther hatte manchmal eine fatale Neigung zum Fremdwort, warum war der Mann Bäckereifachverkäufer geworden und nicht Krimigroßkritiker. Aber egal. Beim Griechen also.

 

„Interessant“, sagte Oxana. „Weiß dieser Karl-Heinz, wen Günther da belauscht hat?“ „Leider nicht“, antwortete Irmi, „das zu fragen, hat die Kraft der beiden Karl-Heinzchen Hirnzellen nicht ganz gereicht. Jedenfalls: Er wusste es. Das von den Zettelchen und dass der Karl-Heinz erpresst wurde. Und jetzt macht unser Karnevalsprinz einen entscheidenden Fehler.“

 

Ja, ja, schon gut, das hätte er nicht tun sollen! Aber irgendwann war ihm mal der Kragen geplatzt. Immer an der Pissrinne stehen und auf den Typen warten, sich das Zettelchen zuschieben lassen und dann zwei Stunden später an einer anderen Pissrinne stehen, wieder auf einen Typen warten und dem dann das Zettelchen zuschieben. Er hatte Kopfschmerzen gehabt, diese Schunkelmusik war schlimmer als ein Passagierjet direkt über einem, dazu Prinzessin Bianca mit ihrem ekligen Sektatem, Küsschen, Küsschen, Küsschen, jedem schwitzenden Speckhals einen Orden umhängen – und dann die süße kleine Tanzmaus, an die er einfach nicht ran kam, weil sie nur auf Knaben stand, die wie Ken aussahen und Barbies liebten.

„Aha“, sagte Oxana. „Ihm ist was rausgerutscht, weil ihm grad nichts reingerutscht ist.“ „Kann man so sagen, meine Süße“, bestätigte Irmi. „Er hat den Typen angefaucht, so professionell sei ja ihr Laden nicht grade, wenn Nullis wie Günther Rath in irgendwelchen Griechenlokalen spitzkriegten, dass er, Karl-Heinz… und so weiter. Hat diesen Typen sehr interessiert. Und unser Karl-Heinz ist ein Schwächling, dem sein Ärger war sofort verflogen, er hat Schiss gekriegt, aber war zu spät. Hat ihm alles vom Günther erzählt, natürlich auch, wo er wohnt, wo er arbeitet.“ „Hm“, sagte ich, „dann wissen wir wohl, wer ihn auf dem Gewissen hat. Aber sag mal, Irmi: Weiß Karl-Heinz sonst wirklich nichts über diese Jungs? Ist ihm nichts aufgefallen?“ Irmi kippte einen weiteren Eierlikör. „Aaaaaah, gut! Ähm, ja, doch. Ein Detail. Ist vielleicht nicht wichtig, aber…“

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