03.02.2012 –423-

Was bisher geschah: Der zur ökonomischen wie intellektuellen Unterschicht gehörige Moritz Klein (im Folgenden: ICH) deckt eher zufällig ein globales Komplett gegen die Geld- und für die Tauschwirtschaft auf, bei dem sich Regierungen und Nichtregierungsorganisationen bekriegen, mit einigen leider zu beklagenden Todesopfer SO FAR, wie der Engländer sagt. Ich aber habe Glück und werde nicht gemeuchelt, obwohl man es tatkräftig und mehrmals versucht. Man bringt mich auf anderem Wege zum Schweigen, indem mir ein Amt zugeschanzt wird, das des Bundesbeauftragten für Bürgerglück, zu dem auch ein schniekes Büro gehört und zu diesem Büro eine äußerst schnieke Sekretärin namens Annamarie Kainfeld, deren Nachname ich mir dadurch zu merken versuche, dass ich an Kornfeld denke und an das entsprechende Bett aus dem unsäglichen Schlager. Jetzt gerade ziehen Annamarie Kainfeld und ich Richtung Severingasse 13, wo mein Büro ist, Annamarie forsch voraus, ich, ihr naturgemäß auf den Hintern starrend, äh…hinterher.

An der Wand hing noch kein Schild. „Kommt aber noch, nehm ich mal an“, drohte Annamarie und drückte mir einen Schlüsselbund in die Hand. Das Büro befand sich im vierten Stock, einen Aufzug gab es nicht, so dass ältere und malade Klientele den Weg zum Bürgerglück schon aus diesem Grund kaum würde finden können. Immerhin: Das Treppenhaus war imposant, Zierleisten aus Stuck, dezent mattes Weiß.

Das Büro war zweckmäßig, die Möbel vermittelten eine unaufdringliche Atmosphäre nüchterner Funktionalität, zwei große Zimmer, ein kleines Bad, sogar eine Kochnische mit Kaffeemaschine und Kühlschrank. „Telefonanschluss und Internet kommen noch“, informierte Annamarie. An der Wand standen leere Regale, auf dem Boden davor Kisten mit ebenso leeren Aktenordnern und Laptops. Sehr schön, dachte ich. Und was sollte ich hier? Jeden Tag acht Stunden absitzen? Oder waren Sprechzeiten eingeplant? Montags bis Freitags, mit Ausnahme von Mittwoch berät Sie unser Herr Klein gerne über Bürgerglück? Annamarie sagte „Ich koch mal Kaffee“ und begab sich in die Kochnische, um genau das zu tun. Es war ihr Job. Einen anderen würde sie hier nicht haben, jedenfalls fiel mir nichts ein, was sie noch hätte tun können. Und große Lust, sie auf den nicht vorhandenen Kopierer zu werfen und chefmäßig zu penetrieren, hatte ich auch nicht.

„Bekommen Sie das hier eigentlich schon bezahlt?“ fragte ich interessehalber, als wir an meinem (meinem!) Schreibtisch hockten und Kaffee tranken. „Aber natürlich“, sagte Annamarie, „mein Arbeitsvertrag läuft seit heute, ich hab sogar Vorschuss gekriegt.“ „Von wem?“ Sie schaute mich verduzt an. „Na von der BGBG. Sie doch auch, oder?“ „Ach so, ja, die BGBG“, bestätigte ich. „Und was heißt das?“ Annamarie lachte. „Ich hatte mal einen Chef, der konnte sich auch keine Abkürzungen merken. Aber er hat immer versucht, den kürzesten Weg in mein Höschen zu finden. Bundeseigene Gesellschaft für Bürgerglück soll das heißen.“

Was mich nicht unbedingt schlauer machte, aber ich ließ mir nichts anmerken. „Genau“, sagte ich, „Herr Oberministerialdirigent Schlabowsky, nehm ich mal an.“ Nein, den kenne sie nicht. „Für uns niedere Dienstgrade ist eine Frau Röntgen zuständig – also die hat mir den Arbeitsvertrag per Eilboten geschickt und auch den Vorschussscheck.“

„So“, sagte Annamarie, als wir unseren Kaffee ausgetrunken hatten, „ich hab vorhin schon Arbeitsklamotten mitgebracht. Ich zieh mich jetzt um, packe die Rechner und die Ordner aus und so, damit wir bald loslegen können, wenn Sie nichts dagegen haben. Ich möchte Sie bitten, den Raum nicht zu verlassen, während ich mich in der Küche umziehe. Für mich ist schon bloße Fleischbeschau ein hinreichender Grund, Ihnen den Rest heißen Kaffee über die Hose zu kippen, sollten Sie handgreiflich werden, gibt’s einen Tritt in die Eier extra. Nur damit Sie das wissen. Ansonsten freue ich mich auf gute Zusammenarbeit. Sie sind mir irgendwie symphatisch.“

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