13.01.2012 –402-

Die Kids hockten wie die Orgelpfeifen auf der Rückbank des Benz, nur einen Moment lang, als der Wagen an ihrem vorbeifuhr, hatte Vika sie gesehen. Und sofort reagiert, Oxana ihre Anweisungen gegeben. Runter vom Gas, erst mal an den Straßenrand, wenden, dem Benz nach. „Mein süßes Adlerauge“: Oxana becircend. Doch dann sehr nüchtern und konzentriert: „Die fahren ganz bestimmt zum Bergwerk.“ Vika nickte. Das war auch ihre Vermutung. Sie atmete durch.

So war es. Der Benz hielt vor dem Eingang in die unterirdische Welt, die Verfolger hielten Abstand, parkten vor einer Kurve, stiegen aus, preschten sich heran, sahen gerade noch, dass auch Regitz und ein anderer Mann ausgestiegen waren. Regitz öffnete eine der hinteren Türen, sagte etwas Unverständliches, aber gewiss Unfreundliches. Er hielt eine Pistole in der Rechten, fuchtelte damit herum. Damit war er nicht allein. Auch Vika hatte ihre Waffe in der Hand. Die Kids stiegen aus. Orgelpfeifen.

„Überraschungsmoment“, flüsterte Vika Oxana zu. Lage sondieren. Eine Reihe Büsche führte bis fast vor den Eingang, dahinter konnte man sich unbemerkt anschleichen, ein Flugzeug hoch über ihnen machte willkommenen Lärm. „Hier halt mal“, sagte Regitz und hielt dem anderen die Waffe hin. „Ich schließe die Tür auf, wenn die Zwerge Zicken machen, knall sie einfach ab.“ Der andere nahm die Waffe, betrachtete sie erschrocken. Das war der Moment. Vika zielte kurz, schoss. Der Mann schrie auf, die Waffe hüpfte ihm wie die bekannte heiße Kartoffel aus der Hand und fiel scheppernd auf den felsigen Boden. „Pfoten hoch!“ schrie Vika wie im hartgekochtesten Chandlerroman und sprang hinter ihrer Deckung hervor, Oxana tat es ihr gleich.

 

*

 

Puh, die waren weg. Hoffentlich. Aber Katharina immer noch nicht wieder da. Wo blieb die nur? Geschnappt worden? Musste man damit rechnen. „Ich glaub, wir sehen uns hier mal ein bisschen um“, sagte Laura. „Jo“, sagte Jonas, nicht sehr überzeugt. Blöde Situation. Jetzt musste er den harten coolen Kerl geben, half ja alles nix. So waren nun mal die Geschlechterrollen. Er hasste das.

Wäre man besser mal in die Schule gegangen. Mathearbeit lag an, eine garantierte Sechs, okay. Die dämlichen Paukervisagen, sowieso, das war das, was die Kinderpsychologie ein Trauma nannte, Entwicklungsstörungen vorprogrammiert. DAS hier aber: eine irreversible Entwicklungsstörung, wie es die Kriminologie nannte, wenn jemand abgemurkst wurde. Jetzt musste er auch noch den testosteronabgefüllten Beschützer markieren, vor Laura seinen Kopf in den Flur strecken! Links schauen, rechts schauen. „Luft ist rein“ flüstern. Und weiter? Links oder rechts? Rechts, entschied Jonas.

 

*

 

„Was habt ihr denn wieder angestellt?“ Boah, die Alte, ey! Angestellt! Aber schon cool, wie sie dem Johann die Knarre aus der Hand gepustet hatte. Der hielt die sich jetzt immer noch und jammerte, während sie durch den Stollen gingen, ein schönes sicheres Verließ für die beiden suchten. „Jammer hier nicht rum“, sagte Vika, „ich hab deine Fingerchen gar nicht getroffen, nur die Waffe. Bisschen geprellt, sonst nichts.“

Sie kannten sich nicht aus hier, aber musste genug Verliese geben. Da hinten zum Beispiel, eine Tür, war zu. „Öffne mal“, kommandierte Vika und Regitz schnaubte. „Gute Idee“, sagte eine Stimme hinter ihnen. „Öffne mal und dann geht ihr alle rein. Und die Tussie lässt die Knarre fallen und alle halten ihre Händchen in die Luft.“

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