12.01.2012 –401-

Österreicher!, dachte Regitz verächtlich. Unter den überflüssigen Völkern Europas wohl das überflüssigste. Man musste sich nur mal klarmachen, worin diese Alpenspacken im Laufe der Jahrhunderte reüssiert hatten! Skispringen dürrer Knaben, Walzer, Damenslalom, kariesfördernde Süßspeisen und Friedhofschänden. Von dem Typen aus Braunau gar nicht zu reden. Apropos reden: Wie die sprechen! Er hätte diesem Johann stundenlang was aufs Maul geben können. Stand da vor ihm und schaukelte sein Domestikenherz in der Hose, die natürlich vollgeschissen war.

„Ja, so ahn Jammer! Der gute Herr Chef! Hoam ihm die Kieberer am Kragerl packt!“ „Reg dich mal ab, Mann“, regte sich Regitz auf, „der Konsul wusste schon, auf was für ein Risiko er sich da eingelassen hat. Sonst läuft alles nach Plan.“ Glaubte er selber nicht. Sie wurden von der Regierung gejagt, obwohl deren Schergen – siehe die beide Witzfiguren in Großmuschelbach – nicht gerade als hochqualifiziertes Fachpersonal durchgingen. Das Geld begann so still und heimlich zu verschwinden wie die FDP laut und öffentlich, aber die Fäden dabei zogen andere. Ich hab Kopfweh, registrierte Regitz, kein Wunder. Immer diese Bässe in Großmuschelbach, dazu die bunten Pillen und das Chillen mit geputschten jungen Frauen. Schlaraffenland? Aber klar doch. Nur: Er war einfach zu alt für soviel Spaß. Das merkte er und es hob seine Stimmung nicht unbedingt.

„Also was jetzt! Hast du die Aufzeichnungen vom Konsul oder nicht? Diese Zettel aus den Osterhasen, du weißt schon. Wir könnten die…“ Ach was. Reines Ablenkungsmanöver. Keine Ahnung, wozu die Zettel gut waren. Überhaupt: Keine Ahnung, was da gerade lief. Regitz spürte selbst Anzeichen erster Panik.

Johann wollte den Kopf schütteln, hielt aber inne, legte den Zeigefinger auf die schweißigen Lippen. Genau: ein Geräusch auf dem Flur, jetzt hörte es Regitz auch. Ganz normal weiterreden. „Und jetzt? Irgendwelche Ideen?“ Er zwinkerte Johann zu, schwenkte den Kopf Richtung Tür. Österreicher! Immer ne lange Leitung. Aber endlich verstand das Burschi. „Tja, müssen wir mal überlegen“, sagte er und machte ein, zwei Schritte zur Tür hin, so, dass er die Klinke fassen konnte. „Jo“, bestätigte Regitz und machte ebenfalls ein paar Schritte zur Tür. „Dann wollen wir mal überlegen, alter Freund und Kupferstecher.“ Gab dem ein Zeichen mit den Augen, der Österreicher, oh Wunder, kapierte gleich, drückte die Klinke und riss die Tür auf. Regitz sprang nach vorn.

Das Mädchen stand gebückt, erstarrt, großäugig. „Katharina!“ rief Johann, „schön, dich hier auch noch mal zu sehen!“ Katharina richtete sich auf, blickte trotzig von Johann zu Regitz, von Regitz zu Johann, sagte: „Hallo? Ich wohne hier! Schon vergessen? Und lass mich mal los, du alte schleimige fette Sau!“

Denn Regitz hatte die Kleine am Arm gepackt und zog sie jetzt in den Raum, Johann schaute in den Flur, links, rechts, machte dann die Tür zu. „Du bist ja ne Kratzbürste“, stellte Regitz lachend fest. „Töchterlein von Chef, was?“

Und was machten sie nun mit der? Hatte sich den Feinden angeschlossen, diesen ewigen Gutmenschen. Johann zuckte nur mit den Schultern. Österreicher!, dachte Katharina ingrimmig. Tun so, als wären sie die servilsten Speichellecker, aber wenn’s drauf ankommt, werden sie sofort illoyal und verraten die nähere Verwandtschaft ihres Brötchengebers. Sie sagte aber nichts.

„Bist alleine hier?“ fragte Regitz. Katharina antwortete auch nichts. „Also eher nicht“, schloss Regitz. „Gibt’s hier einen Platz, wo man die Kleine für ne Zeit verstauen könnte, aus dem Verkehr ziehen?“ „Du dämlicher alter versiffter verkokster Kotzbrocken“, zischte Katharina. Regitz nickte. „Du hast wenigstens Menschenkenntnis, meine Süße. Hut ab, findet man nicht oft in dem Alter.“ „Wir können sie vorläufig in die Wäschekammer sperren“, schlug Johann schließlich vor. Diese Österreicher!

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