05.01.2012 –394-

Ich fühlte mich wie gerädert. Aufs Rad geflochten, sagte man früher, was etwas romantischer klang als es in Wirklichkeit war und gewöhnlich nahtlos in eine zünftige Vierteilung überging, bei der man die Glieder des Delinquenten mit Ochsen verband und diese dann auseinander trieb. Nein, ganz so schlimm war es mir letzte Nacht nicht ergangen. Die vier Ochsen war ich selbst, eigentlich sogar fünf, passend zur Anzahl meiner Extremitäten, und das Rad lag friedlich neben mir und schlief noch.

Ich besaß alle Zeit der Welt, ins Bad zu gehen. Die drei Damen des Hauses schliefen, täten sie das nicht mehr, hätte der Kampf ums Bad längst begonnen, um irgendwann am frühen Nachmittag zu enden. Mein Gesicht im Spiegel: Okay, nicht gerade das, was man hollywoodreif nennt, vor allem seit in Hollywood keine Monsterfilme mehr gedreht wurden. Ich gab noch nicht einmal einen passablen Tatort-Kommissar ab, sogar Til Schweiger hätte mich ausgestochen. Passender Name übrigens, wenn man ihn richtig betont. Schweig er. Wenn er das Maul aufmachte, krümmte sich das kürzeste Ohrenhärchen wie Schilf im Orkan.

Ein nasskalter Morgen also. In der Bäckerei empfingen mich die Weltprobleme aus Hausfrauenmündern, es schnäbelte lustig über den frühverstorbenen Johannes Heesters, die Magersucht einer spanischen Prinzessin, den Nippelalarm einer B-Prominenten auf dem roten Teppich und die unvermeidlichen Griechen, die doch ihre Ruinen und Inseln verkaufen könnten, wenn sie schon von unserem Geld leben. Wie wahr das alles, wie mutig und zukunftsweisend.

Aber was interessierten mich durch die Medien getriebene Petitessen. Als ich zurückkam, saß Hermine im lindgrünen Negligé am Küchentisch und blickte mich an wie einen Sonnenstrahl, der soeben durch eine Regenwolke sticht. Sie strahlte, ich strahlte, die Kernschmelze stand kurz bevor. Gute Handwerksarbeit hatte ich da abgeliefert, soviel Selbstlob muss sein. Hermine hob den rechten Daumen und trieb in ein paar Mal durch die Luft. „Mach hinne, Schatz“, befahl die Meisterin, „schnell für jeden ein Honigbrötchen, Schluck Kaffee und Kippe, dann hüpfen wir zurück ins Bett und bringen die abschließenden Glättungsarbeiten hinter uns“.

Glättungsarbeiten? Arbeiteten wir mit Estrich, vergnügten wir uns beim Bügeln von Herrenoberhemden? Ich riss jedenfalls die Brötchentüte auf und tat so, als hätte ich es sehr eilig. Das gefiel Hermine.

Glättungsarbeiten. Ich betrachtete mein Werk nicht ohne Wohlgefallen. Auf dem Flur rumorte es schon fleißig, Laura und Katharina stritten sich wie üblich um das Recht des ersten Badbesuchs, Jonas kommentierte, auch wie üblich, mit verzweifelten „Ach du meine Fresse!“- Wehklagereien. Hermine und ich sahen uns an und kicherten. Selige Jugendzeit, wenn das noch die einzigen Probleme sind, die man hat! Abgesehen von Akne, Dauerständer, Klimawandel und zu wenig Taschengeld.

Doch die schöne Zeit der After-Glättungsarbeiten-Idylle währte nicht ewig, wir wussten es. Mir ging Lauras Anregung nicht aus dem Kopf, sich endlich einmal diesem Georg Weber zu widmen, dem wir schließlich den ganzen Schlamassel zu verdanken hatten. Der Mann war tot, daran konnten wir nicht zweifeln. Taten es aber doch. Solange wir seine Leiche nicht fanden… und nichts lag uns ferner, als seine Leiche zu finden. „Wenn er noch lebt“, spekulierte Hermine, „dann muss er doch zu irgendjemandem Kontakt haben…“ „…Sonja Weber“, schloss ich fehlerfrei. „Genau“, sagte Hermine. „Hast du eigentlich mit ihr geschlafen?“ „Nö“, antwortete ich wahrheitsgemäß und bemühte mich, es nicht bedauernd klingen zu lassen. Hoffentlich stellte sie mir jetzt nicht die gleiche Frage hinsichtlich Vika. Sie verkniff es sich, wohl weil sie die Antwort bereits wusste. Ich legte meine Rechte in Hermines Nabelgegend, der Zeigefinger stürzte in einen tiefen Krater. Glättungsarbeiten. Man glaubt gar nicht, wie oft man da manchmal ran muss.

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