07.12.2011 -365-

Hä? Was ging denn hier ab! Bernie kratzte sich am Kopf. „Sowas schon mal erlebt, Jonny? Von wegen Kuhkaff. Hier steppt der Bär – und wie.“ Jonny sagte nur „jo“ und bewegte seinen Hintern im Technotakt. Kam von da drüben. Bergwerk oder was. Clever, clever, die Leutchen. Und war einerseits gut und andererseits schlecht. Viele Leute hier, sie würden nicht auffallen. Viele Leute hier – und das waren potentielle Zeugen. Hoffentlich waren sie nicht zu einem Blutbad gezwungen.

„Und wie finden wir den jetzt, diesen…“ „Kriesling-Schönefärb“, ergänzte Bernie und verdrehte die Augen. Jonny war ja ein netter Kerl, aber die eine Zelle in seinem Hirn total überfordert. „Das Haus muss etwas abseits liegen. Jägerzaun. Finden wir schon. Erst mal ganz locker bisschen umschauen.“ Jetzt bewegte er seinen Hintern auch. Eine Gruppe Jungvolk tänzelte ihnen entgegen, auch ihre Allerwertesten waren in Aktion. Voll zugedröhnt, die Teenies, gut so. Die würden sich an nichts mehr erinnern.

Diesmal also nicht nur die Leute erschrecken, hatte der Boss gesagt. Diesmal professionell exekutieren. Tja, man hatte sich den Job selber ausgesucht. Erschrecken machte mehr Spaß, sie standen beide nicht so auf Töten, war aber leider in ihrer Arbeitsplatzbeschreibung mit drin gewesen. Und glaube doch keiner, in Deutschland liefe etwas ohne Zeugnisse und Befähigungsnachweise! Sie hatten früher eine Zeitlang als Söldner gearbeitet, Kongo und so, einsame Inseln in der Südsee, da lernte man das Töten von der Pieke auf. Waffenkunde, Umgang mit Giften und Sprengstoffen, das volle Programm. Diesmal würden sie lautlos morden, Springmesser. Und dann die Leiche diskret beseitigen, auf Nimmerwiedersehen, irgendwo im Meer versenken. Gar nicht so einfach. Weitere Komplikation: Eine Frau war bei diesem Kriesling-Schönefärb. Nach Möglichkeit sollte sie nichts von der Aktion mitbekommen. Kriesling-Schönefärb am Morgen einfach verschwunden, in Luft aufgelöst, Zigaretten holen. Wie die sich das vorstellten, diese trockenen Theoretiker und Bürohengste! Aber erst mal finden, den Kerl. Natürlich keine Adresse. Nur vage Hinweise. Ortsrand, kleines gepflegtes Häuschen, Jägerzaun. Gab es hier massenweise.

„Vielleicht ist der ja mit seiner Alten im Bergwerk schwofen. Was meinst du?“ Bernie stöhnte auf. Jonnys Hirnzelle ging ihm von Tag zu Tag mehr auf den Geist. „Unwahrscheinlich“, sagte er. „Die wollen hier erst mal abtauchen. Is klar, oder?“ Jonny gab es zu. Hätte aber zu gerne ein bisschen geravt und anschließend gechillt. Wer weiß, vielleicht wäre auch sexmäßig was zu machen. Mord und Sex, das gehörte einfach zusammen. Jedenfalls hatte er das mal gelesen.

Konnte das da das Haus sein? Hm, hm. Jedenfalls unterschied es sich von den anderen, die sie bisher inspiziert hatten, dadurch, dass in einem Zimmer noch Licht brannte. Es war kurz nach drei Uhr morgens, da schliefen die Leutchen, wenn sie nicht im Bergwerk abhingen. Sonst stimmte alles. Abseits, propper, Jägerzaun. Man konnte locker drübersteigen. Sie taten es. Lautlos, professionell.

Mussten nicht einmal ganz ans Fenster, um den Typen am Schreibtisch zu erkennen. Bingo oder Heureka!, wie der Lateinschüler sagte. Kriesling-Schönefärb, gar kein Zweifel, da mussten sie nicht einmal das Foto betrachten, das man ihnen gegeben hatte. Und seine Alte? Nicht zu sehen. Pennte wohl im Nebenraum. Ideale Voraussetzungen. Frage jetzt: Wie unbemerkt reinkommen? Antwort: Durch die Haustür, selbstredend. Passendes Werkzeug hatten sie dabei.

Schuhe ausziehen, das hatten sie auf der Agentenschule gelernt. Sich vergewissern, dass die Springmesser parat waren, Außentasche Anorak. Blickkontakt, Nicken, die Aufgabenverteilung war klar. Man konnte über Jonny sagen, was man wollte, aber sein Handwerk verstand er, wenn es darauf ankam. Die Haustür öffnete sich beinahe freiwillig selbst. Knarrte auch kein bisschen. Gut gepflegt. So sollte es sein. Der Job würde keine Probleme bereiten.

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