02.12.2011 -360-

Pfff, ging ihr doch so was von am Arsch vorbei! Wer war sie denn? Eine schmachtende mittelalte Kuh, die sich dem ersten Ochsen auf der Weide an den Hals warf, ihm hartnäckig an der Backe klebte wie ein Pickel am Hintern? Sollte er doch! Interessierte doch SIE nicht! Sie starrte finster durch das Abteil der S-Bahn und verpasste einem älteren Herrn, dessen Blick sich mit ihrem gekreuzt hatte, eine mindestens dreiwöchige Impotenz. Warte nur, Bürschlein! Hermine geht jetzt „arbeiten“. Hörst du die Anführungszeichen? Hermine schnappt sich den nächstbesten Galan und macht dann, was DU jetzt wohl gerade auch machst. Herrlich sinnbefreit die Säfte aufkochen lassen.

Als Borsig endlich aufgetaucht war, hatte sie sich vom Acker gemacht. Wort- und grußlos, versteht sich. Wurde sie verfolgt? Vielleicht zur Abwechslung mal ein knackiger Geheimdienstler, muckibudengestählt, seine Bionade geschüttelt, aber nicht gerührt trinkend, gleichzeitig solider Beamter? Jemand, den man probierhalber in den nächsten Busch zerren konnte, um… Nein. Sie sah sich um. Nichts wie vermummte Passanten, die an ihr vorbeischlitterten, Menschen unter Neuschnee. Hermine nahm sich vor, ihre Sexchataktivitäten wiederaufzunehmen, hatte sie für dieses treulose Schwein aufgeben, da sah man’s mal wieder, nichts als Verrat und Undank erntete man. Aber war ihr doch völlig egal! Sie würde dem Kerl keinen Gedanken mehr widmen, nichts mehr an ihn verschwenden, sie war eine attraktive Frau in den besseren Jahren, die Kerle flogen ihr nur so zu. Das Gebäude der „Bauernschenke“ tauchte auf, warmes Licht strömte aus dem Innern, gemütliches Palaver. Das war ihre Welt. Friedfertig, befriedigend. Und jetzt nicht mehr an Moritz Klein denken. Sie würde ihn zur Sau machen, der sollte schon sehen, was er von alledem hatte, der würde Bauklötze staunen, sich selbst verfluchen, sich wünschen, als Kind ein Geländer hinuntergerutscht zu sein, an dem ein Nagel vorgestanden und die heranreifende Männlichkeit des Kindes zugunsten einer Kastratenexistenz zerstört hatte, dieser Halodri, dieser Sexgangster, den sie gerade aus ihrem Leben gestrichen hatte, dieser Idiot, dieses testosterongesteuerte Monster – Wer, bitte, war Moritz Klein? Nie gehört den Namen – dieser scheinheilige Betrüger, der es mit jeder dahergelaufenen Schlampe trieb – was für mickrige Titten diese Vika hatte, dabei einen Arsch wie ein Brauereigaul und bestimmt schon dreimal für teuer Geld geliftet, wie peinlich war das denn?

Super, dachte Hermine, als sie die Tür zur „Bauernschenke“ öffnete. Ich bin eine neue Frau, ein souveränes Wesen, ich kenne weder einen Moritz Klein noch eine Vika, diese VOLLWERT-BITCH, dieses schlecht designte Miststück, das sich mit einem schwanzdominierten Primaten auf schlüpfrigen Laken suhlt, und die Haare erst, die Haare! Ihr Friseur musste sich den Arm gebrochen haben oder unter irgendwelchen Medikamenten stehen – aber bitte sehr, ihr doch egal, sie kannte überhaupt keine Vika, sie kannte keinen Moritz Klein, aber wenn der sich entblöden sollte, sie noch einmal anzurufen – sie stockte, blieb stehen, fischte das Handy aus der Handtasche, drückte Tasten, studierte das Display – ha! Hatte sie es doch geahnt! Nicht einmal eine SMS schickte ihr dieser Kerl, den sie nicht kannte und nie gekannt hatte, nicht einmal eine SMS, wie schäbig war das denn?, aber wehe, du schickst mir eine SMS, ich reagiere einfach nicht drauf, du Sauhund mit deiner läufigen Hündin, wahrscheinlich quält ihr euch gerade zum Orgasmus und macht euch über mich lustig…

Sie trat ein. Gut besucht. Sofort schlugen ihr Wärme und Liebe entgegen, Blicke der Freundschaft und des Begehrens, eine spontane Welle Glück durchfuhr Hermines Körper, wie gut, dass sie diesen Moritz Klein nicht kannte, aber wehe, er würde ihr eine SMS schreiben, aber wehe, er würde ihr keine schreiben. Und, okay: Irgendwie war diese Vika gar nicht so uneben gewesen. Und verboten hübsch dazu.

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