11.10.2011 -308-

So. Simple Zustandsbeschreibung: Du sitzt ganz hübsch in der Scheiße, blauäugige Vika. Die legendären grauen Zellen bitte anstrengen. Auf diese selbstgefällige Heulsuse neben dir kannst du dich nicht verlassen. Selbst wenn es gelänge, ihr die Fesseln mit den Zähnen aufzuknoten, die wäre imstande und ließe dich kaltlächelnd hier zurück. Aber gibt es eine Alternative? Nee, ist wie mit der Eurokrise. Da musst du jetzt durch, ohne Rücksicht auf Verluste.

„Dreh dich mal um“, forderte Vika die Gebhardt auf und robbte auf sie zu. Hä?“ machte Lydia, ihr Verstand mochte sonst wo hocken, aber kaum im eigentlich dafür vorgesehenen Hohlraum über dem Hals. „Tu es einfach“, sagte Vika genervt. Je näher sie der Mitgefangenen kam, desto penetranter kitzelte deren Parfüm in der Nase. Ein wenig runterrutschen, „streck die Arme so weit wie es geht nach hinten“, dirigierte die Detektivin. „Das tut aber so weh“, greinte die Gebhardt. „Tut auch nicht weher als ne neue Packung Silikon in die Titten, Baby:“

Dieser Honig, dachte Vika, als sie an den Fesseln zu knabbern begann, kann einem noch nicht mal vernünftig die Hände auf den Rücken binden. Zum Glück. Sie würde es schaffen. Brauchte etwas Zeit und tat den Zähnen nicht gut, wohl aber der Lebenserwartung.

Endlich war es ihr gelungen, ein Stück der dünnen Schnur mit den Zähnen zu fassen. Ziehen. Kopf nach hinten uuuuuund… Klappte nicht. Die Schnur flutschte weg. Noch einmal, nicht aufgeben. „Aua“, fauchte Lydia, „du kugelst mir ja die Schulter aus.“ Vika machte sich nicht die Mühe einer Antwort. Die Schnur. Fest zubeißen. Ja!

Lydia Gebhardt rieb sich erst einmal die Handgelenke, setzte sich auf, drückte das Kreuz durch. Sah dann rüber zur ebenfalls sitzenden Vika, die ihr die gefesselten Hände hinhielt. „Hm“, machte Lydia. „Wer bist du eigentlich? Polizei? Konkurrenz?“ Aha, wie erwartet. Madame spielt die Undankbare, den eiskalten Engel. „Ok, versuch halt selbst, hier rauszukommen. Vielleicht begegnet dir Honey unterwegs? ICH kann Karate. Du auch?“ Die Kraft der guten Argumente.

Frei. Und jetzt? Die Tür war, wie erwartet, abgeschlossen und machte nicht den Eindruck, vor einer Haarnadel im Schluss Angst zu haben. Kein Fenster. Lydia stöhnte und legte die nächste Heularie an. „Halt einfach die Fresse“, sagte Vika. Wenn sie Pech hatten, würden sie mit freien Händen sterben. Lieber nicht dran denken, wie ab einem bestimmten Punkt des Hungern und Dürstens die Geschichte eskalieren und in Richtung Kannibalismus abgleiten würde. Sie, Vika, war immerhin weitgehend ein Bioprodukt. War Lydia überhaupt genießbar? Der McDonalds unter dem Menschenfleisch? Da beißt du einmal rein und schon kriegst einen Damenbart oder sonst was. Schlechte Aussichten.

„Wir müssen warten, bis einer von denen kommt.“ Damit beruhigte sie sich selbst. Aber warum hatte man sie überhaupt aus dem Verkehr gezogen? Welche Gefahr stellte sie dar? Was wollte man von ihr? Irgendwann würde jemand erscheinen, nachschauen, was die Damen so machten, ob sie noch lebten. Also abwarten und, wenn es soweit war, den Besucher hinter der Tür überraschen, professionell ausschalten.

„Wir müssen sterben!“ Natürlich die Gebhardt, jetzt in der Ouvertüre zu einer tragischen italienischen Oper. „Ja, müssen wir wohl“, bestätigte Vika. „Und wenn du nicht gleich die Fresse hältst, kriegst einen schnellen Tod.“ Sie schwieg tatsächlich und stellte die Produktion der Sekrete ein.

Hunger. Durst. Der Durst war schlimmer, keine Überraschung. Jetzt könnte man selbst eine Runde heulen, dachte Vika. Sie tat es. Innerlich.

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