20.06.2011 -211-

Madeleine. Na ja, nicht schlecht. Aber weit von den Medaillenrängen diesmal. Gute Mittelklasse, ihr Anfangsstrip wie immer gelungen, mir lief die Lust in Wellen durch den Körper. Der Rest halt. Bisschen wenig Bewegung im Beckenbereich, das Stöhnen zu hörbar gekünstelt, das war zweite Besetzung Stadttheater, konnte nicht überzeugen. Simulation des Orgasmus hingegen wieder ganz ordentlich,vor allem, weil Madeleine sehr dezent gesteigert hat, sich Zeit gelassen. Auch sonst (sich in meinen Armen kuscheln wie ein Häschen sich an den Mann mit der Flinte kuschelt, langsam einschlafen) gibt’s wenig zu meckern. Aber der letzte Kick halt. Hat irgendwie gefehlt.

Würde eh keiner verstehen, dass ich jedes Stück Sex in mein erotisches Tagebuch eintrage. Und das schon seit 1984. Immer noch einsame Spitze: Dieser grandios ordinäre Fick mit Lydia am 11. April 1997 in diesem Wasserschutzgebiet (Feuchtgebiete, har, har). Mann, wie die mich angespitzt hat! Der all time greatest, sozusagen, hat gar nicht mehr aufgehört, da wurde der Orgasmus zum Äquivalent von „Wer wird Millionär?“, das hört ja auch nicht mehr auf. Ok, schlechter Vergleich jetzt. Ja, das konnte sie mal: Männer glücklich machen. Und gleichzeitig unglücklich, das ist eben die Kehrseite. Aber man muss Opfer bringen können! Dafür freut sich Madeleine über jedes geschenkte Armband, sie isst alles (göttliches Lendensteak gestern, hahaha) und vor fünf Minuten, als sie aufgewacht ist, hat sie sich instinktiv mit der flinken Rechten nach meiner Morgenlatte erkundigt und war auch gar nicht enttäuscht, diese nicht vorzufinden. Ich bin nicht mehr 30, mein Schatz! Auf dem Weg ins Bad dann noch eine kleine Entblätterung als Nachtisch, jetzt höre ich das Duschwasser rauschen, liege auf dem Bett, nackt, graue Brustbehaarung, und rauche und philosophiere und überlege, wie ich den Tag verbringen werde.

Hm, die drei auf hoher See. Ob die Bestattung gut über die Bühne gegangen ist? Warum melden sich die Idioten nicht? Naja, gleich mal in die Firma fahren nachschauen, Filliac wird ja wohl schon da sein. Hat mir einiges zu erklären, der Bursche. Um diesen Proleten Regitz jedenfalls ist es nicht schade, um die anderen zwei auch nicht, die Frau kenn ich sowieso nicht, also. Erst einmal frühstücken und mit Madeleine schäkern, vielleicht regt sich ja noch was da unten. Wenn nicht: Heute nach dem Mittagessen Viagra einwerfen und am Abend zurück auf die Matte, diesmal vielleicht mit einem Top-Ten-Fick.

Ok, vergiss das mit dem spontanen Orgasmus. Da kann sich Madeleine bemühen wie sie will, da läuft grad nix. Nimms hin, Gebhardt, sage ich mir, deine Zeit kommt noch. Dann bist du der Über-Berlusconi, der Super-Lustgreis, dann residierst du in einer Festung in den Bergen, riesiges Teil, und 2000 blutjunge Sekretärinnen laufen in schwarzen Nylons und Strapsen umeinander. Meine Alte behalte ich natürlich, die wird zur Mutter der Nation aufgebaut, die Inge Meysel des geldlosen Zeitalters. Und wehe, sie macht ungefragt die Fresse auf! Madeleine? Wenn sie sich nicht mehr anstrengt – adieu, kleine nasalende Maus! Sie ist jetzt übrigens fertig, wir haben gefrühstückt, ich klopfe ihr noch mal mechanisch auf den Arsch, sie küsst mich „leidenschaftlich“, na ja, war auch schon mal besser. Wirklich Provinztheater. Hat heute nicht ihren besten Tag. Bis heute Abend dann, Cherie.

Mit dem Taxi zur Firma. Der Betrieb muss weiterlaufen, wir müssen die Fassade wahren. Im- und Export, Waren halt, von hier nach da und da nach dort verschifft. Gestern habe ich das Tor abgeschlossen, es ist immer noch zu. Kein Auto auf dem Parkplatz? Also da soll doch… Ob was schiefgegangen ist auf hoher See? Filliac nicht am Empfang. „Haaaaaallooooo!“ Keine Reaktion. Komisch. Irgendetwas stimmt hier nicht, ich habs in den Knochen drin, wie eine leichte, unangenehme elektrische Ladung. Leise rieselt es das Rückenmark runter. Und keine Knarre dabei, Scheiße. Komm, scheiß dir nicht ins Hemd, Gebhardt, geh hoch. Alles halb so schlimm. Dort oben werden schon nicht deine Mörder auf dich warten.

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