18.12.2010 -27-

(Achtung! Auch in dieser Folge findet sich illegales und leserverachtendes product placement!) Nach einem aus Lyoner, Baguette und Bier kennerös komponierten Mahl trennten sich unsere Wege. Ein Mercedes der gediegenen Mittelklasse fuhr vor, am Steuer saß – ich traute meinen Augen kaum – jenes studentische Fräulein, das mich heute morgen für Hartz IV hatte begeistern wollen und von Regitz in harscher Diktion sexuell kompromittiert worden war. Ein „Heut Abend um 9, aber Punkt!“ zurücklassend, stieg Regitz ein und machte sich sogleich oral an der Chauffeuse zu schaffen. Ich muss selten dämlich aus der Wäsche geschaut haben.

„Tja“, erklärte Borsig mit Genießerzungenschlag, „die hat der Chef letzte Woche flottgemacht. War nicht schwer. Alle Studentinnen haben einen Vaterkomplex, musste wissen. Und die Anja besonders.“

Jetzt wusste ich es.

Meine sauer verdienten zwanzig Euro mussten sofort in Lebensmittel investiert werden und so begab ich mich nach kurzer S-Bahn-Fahrt zum Sozialdiscounter ARIANE. Hier konnten Waren zum halben Preis erworben werden, ARIANE galt auch als der Discounter mit der schnellsten Kundschaft, denn wer zu langsam war, erreichte die Kasse unter Umständen erst, wenn das Haltbarkeitsdatum der Produkte abgelaufen war.

ARIANE verfügte merkwürdigerweise auch über eine Miederabteilung, in der verführerische Dessous der Marke NORA feilgeboten wurden. Eine Art Musenfalle, konnte doch hier, wie es in der Werbung hieß, die Erstausrüstung für den Ausstieg aus dem Prekariat erworben werden, Edelkokotte, ein Beruf mit Zukunft, gewissermaßen, in dem sich die Leistungsträger an den Reizwäscheträgerinnen abarbeiten konnten.

Mein Guthaben war bis auf einen Fünfer aufgebraucht, das Wetter immer noch indiskutabel. Ich trug meine Einkäufe nach Hause und kam an Jürgens Bioladen vorbei, wo mich ein paar Mandarinen orangen anlachten. Jürgen stand, wie fast immer, hinter der Theke und las in einem Krimi. Mein Erscheinen riss ihn aus der kriminellen Fiktion in die nicht weniger kriminelle Wirklichkeit.

„Mach mal für 3 Euro Mandarinen“, sagte ich sanft, denn laute Töne mochte Jürgen nicht leiden.

„Drei Euro?“ Jürgens Gesicht mutierte zum Fragezeichen. „Das sind von jungen Landarbeiterinnen mit Abitur handgepflückte, selbstverständlich ungespritzte und nicht genmanipulierte Mandarinen. Ok, ich pack dir zwei Stück ein, weil du es bist.“

Daheim. Die Arbeit hatte mich ermüdet, ich nahm ein heißes Bad und plante die nächsten Schritte. Ich würde meine Auftraggeberin be- und die Wohnung ihres Bruders durchsuchen müssen. Dann die Identität des mysteriösen Lothar heraus- und mich zu einem nicht weniger mysteriösen Treffen mit Regitz und Borsig im Industriegebiet einfinden. Fünfzig Euro verdienen, was es mir ermöglichte, ein paar Glühwein in der „Bauernschenke“ zu trinken. Warum, wusste ich nicht.

Ich kochte mir Kaffee, aß hastig von dem Brot, das ich mir bei ARIANE gekauft hatte und dessen Haltbarkeitsdatum gerade dabei war abzulaufen, ich kaute hastig und verlor das Rennen um Haaresbreite. Griff nach dem Telefon und wählte die Nummer von Sonja Weber. Sie nahm sofort ab, als hätte sie auf meinen Anruf gewartet.

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2 Antworten zu 18.12.2010 -27-

  1. Bio schreibt:

    Die Bioladenszene ist sehr treffend – fast wie aus dem richtigen Leben 😀 😀

  2. Dieter Paul Rudolph schreibt:

    Die Edwin-Drood-Projekt-Vorstandschaft ist entsetzt über die billige Art und Weise, wie der Autor in der heutigen Folge eine Vorgabe umgesetzt hat! Anstatt das Werk „Musenfalle“ von Nora Miedler aus dem Ariadne Verlag genialisch zu beschleichwerben, packt er es in ein paar seiner bekannten sexistischen Witzchen! Und das ausgerechnet bei Ariadne! Die sich das Schleichwerbehonorar bitter vom Munde absparen mussten! Wir sagen pfui und zeigen dem Autor die gelbe Karte. Friedrich Ani steht als Ersatzautor schon in den Startlöchern.

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