26.05.2012 –535–

Er lebt noch. Aber wie. Fachgerecht verbunden, die Wunde gesäubert, “oberflächlich” hat Schmeichel ihn beruhigt, “nicht besonders tiefe Fleischwunde, seien Sie froh, dass es eine alte besoffene Frau war, die Sie abstechen wollte.” Haha, du grausames Schwein! Musst du mir das jetzt aufs Brot schmieren? Dazu grinsen? Rüchel mag keine sadistischen Samariter, er mag überhaupt keine Samariter. Musste sich natürlich bedanken und murmeln, er, Schmeichel, habe nun etwas bei ihm, Rüchel, gut. Worauf der nur mit den Schultern zuckte und antwortete, er glaube nicht, dass er jemals in die Verlegenheit komme, von einer alten besoffenen Frau abgestochen zu werden. Du blödes, blödes Arschloch.
Weiterlesen

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

25.05.2012 –534–

Was war los? Irgendjemand redete wirres Zeug in ein Handy, an dessen entgegengesetztem Leitungsende ein äußerst verschlafener Mann fragte, was denn los sei – und der verschlafene Mann war kein Geringerer als ich selbst. Drei Uhr nachts, das ist: drei Uhr morgens, völlige Dunkelheit, allein in meinem trostlosen Bett, die Heizung war mal wieder ausgefallen, mich fröstelte. Was war los? Ich hörte die Wörter, ich hörte die Sätze, ich verstand weder die einen noch die anderen. Nur dass ich bitte schleunigst zu Irmis Wohnung kommen solle, dass verstand ich denn doch. Jugendliche Stimme, also Jonas. Was maßte sich dieser Kerl an, einen Erwachsenen um drei Uhr nachts / morgens aus dem Bett zu holen? Noch eine Frage, die ich mir gar nicht erst stellen wollte, was ich aber erst bemerkte, als ich sie mir schon gestellt hatte. Irgendwie einen schnellen Kaffee kochen, in die Kleider hüpfen und raus in die kalte Nacht.
Weiterlesen

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

24.05.2012 –533–

Als der kleine Deutsche aufgehört hatte zu reden und der kleine Italiener wieder hellwach war und von seinen sexuellen Abenteuern zu schwadronieren begann, erschien ein letzter später Gast. Der kleine Deutsche gluckste, “Ich piss mir fast in die Hose, hey!”, hieb dem Ankömmling auf die schmächtige Schulter und nannte ihn “den NRWleidigen”, das letzte Opfer der Schwarzen Witwe im Kanzleramt, die ihre Männlein nach vollzogenem Regierungsakt vor laufender Kamera ratzdiputz verspeiste. Der NRWleidige verstärkte seine Leidensmiene und nickte nur resigniert. Ja, genau, die Mama habe ihn verstoßen und das nur, weil er eine Wahl verloren hatte und nicht zu Kreuze gekrochen war. “Willkommen im Club!” lachte der kleine Deutsche.
Weiterlesen

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

23.05.2012 –532–

Ja, er stöhnte vor Schmerz. Das musste das Ende sein, ganz klar, und eigentlich war es ein schönes, ein würdiges Ende. Tod im Dienst. Besonderes Schmankerl: Mit der eigenen Mordwaffe abgestochen werden. Die diese Alte überraschenderweise aus ihrer Handtasche zieht, das Blut des Killers mit dem Regenschirm klebt noch daran, er ist völlig perplex, er starrt nur auf das Skalpell, SEIN Skalpell, er wird für einen Moment nervös, unentschlossen, es ist der entscheidende Moment, schon sieht er dieses Blitzen im Auge der Alten, das überrascht ihn noch viel mehr, eine entschlossene ältere Frau, die einen Schritt auf ihn zu macht, nein zuwankt – und zusticht.
Weiterlesen

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

22.05.2012 –531–

Ausgezockt! Jonas schlich mit seinen beiden Damen deprimiert durch die nächtliche Stadt. Er war sauer, enttäuscht, wütend, er hasste die Welt. Da hatte man den Bundesbeauftragten für das Bürgerglück quasi in der Familie – und was passiert? Das Glück hat einen verlassen. Typisch für diesen Loser Klein, Jonas hatte sowie nie verstanden, was seine Mutter an dem fand. 56 Eurostücke, das gesamte Kapital, waren in den Schlitzen der Spielautomaten verschwunden, nichts, gar nichts war ausgespuckt worden. Normalerweise gingen sie jetzt zum Chillen in “Torsten’s Game Paradise”, lag ja gerade um die Ecke. Aber ohne Kohle? Sogar Katharina war blank, von Laura und ihm ganz zu schweigen. Nein, das war schon eine Scheißwelt.
Weiterlesen

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

21.05.2012 –530–

Mein Gott, so etwas von langweilig! Der kleine Franzose dachte an seine betörend schöne Frau und seine betörend schöne neue Tochter. Die hockten jetzt in Paris und amüsierten sich, jedenfalls die betörend schöne Frau, das ahnte er, während man selber hier in einem muffigen Zimmer bei schlechten deutschen Weinen saß und diesem kleinen Deutschen zuhörte. Der hatte sich das Haar gefärbt, was der Franzose immer abgelehnt hatte. Er verfügte über echtes Schwarzhaar – und wehe, irgendjemand sagte etwas anderes, den würde er brutal verklagen. Käme man wenigstens noch mal in die Zeitung.
Weiterlesen

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

20.05.2012 –529–

Da geht sie hin, die Alte. Schwankend wie ein Schiff in schwerer See, ansonsten noch gut zu Fuß. Der kleine Mann mit der Schalkemütze begleitet sie, hat sich untergehakt. Das wird doch nicht ihr Lover sein? Wäre schlecht. Für ihn. Rüchel hält sich in sicherem Abstand hinter den beiden. Er wirkt wie ein harmloser Flaneur nach einem Kneipenbesuch. Dabei hatte er sich fast die Füße abgefroren. Schmeichel ist nicht in der Nähe, das hat er professionell gecheckt. Gut für ihn, Schmeichel, sonst wäre der auch noch fällig.
Weiterlesen

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar